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Migräne: Krankheit und Therapie
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Migräne ist ein Stück medizinische Menschheitsgeschichte, von Hippokrates beispielsweise sind schon 400 v. Chr. Sehstörungen detailliert beschrieben.
Migräne ist die häufigste neurologische Erkrankung. Einer von zehn leidet unter Migräneattacken, 70 % davon sind Frauen. Die Altershäufigkeit ist zwischen 25 und 56 Jahren.Der Kopfschmerz ist charakteristisch einseitig, pulsierend, von schwerer Intensität. Die Dauer ist zwischen 4 und 72 Stunden. Die Attacken sind häufig von Erbrechen, Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit begleitet. In schweren Fällen kommt es zu echten neurologischen Ausfallerscheinungen mit Sehstörungen und Gesichtsfeldeinschränkungen. Schon Kinder, ab zwei Jahren, können unter Migräne leiden. Neben den klassischen Symptomen kommt es zu einigen spezifischen, kindlichen Sonderformen wie periodischens Erbrechen, attackenartiger Drehschwindel, Verwirrtheitsphasen, auch Schlaganfall ähnliche Symptome.
Wie kommt es zu einer Migräneattacke?
Der Mechanismus eines Migräneanfalls, ist wie folgt:
Äußere FaktorenStreß, Ermüdung, hormonelle Balancestörungen können einen Prozeß nervaler Erregung im Mittelhirn in Gang setzen. Diese Triggerfaktoren erregen Nervenzellen im Mittelgehirn. Chemische Botenstoffe (Neurotransmitter), Welche die Arterien des Gehirns erweitern, werden an den Nervenenden freigesetzt. Diese Erweiterung der Blutgefäße wiederum erregt sensorische Nervenfasern der Gefäße, die Impulse zum Kerngebiet des Trigeminus (Schmerznerv des Gesichtes) senden; die dieser dann über ein kompliziertes Rückmeldungssystem an die Nervenfasern der Gefäße weitergibt. Dort werden Schmerzstbstanzen wie die Substanz P und ganz bestimmte Peptide (Eiweiße) freigesetzt, die die Blutgefäße noch mehr erweitern.Es kommt zum Austritt von roten und weißen Blutkörperchen mit Plasma und zu einer Schwellung der Gefäßwände. Die zerfallenden Blutkörperchen setzen schmerzprovozierende Substanzen frei, die den heftig pulsierenden, pochenden Kopfschmerz des Migränikers verursachen.
Der Kopfschmerz bleibt, so lange die Gefäße weitgestellt sind und die Schwellung der Gefäßwände besteht. Wird die Gefäßwand medikamentös wieder normalisiert , ist die Schwellung rückgängig, so hört der Kopfschmerz auf.
Serotonin (5 HT), eine Aminosäure, welche von spezifischen Nervenzellen im Mittelhirn gebildet wird, ist eine gefäßverengende Substanz und von theoretischer Bedeutung in der Migräne-Therapie.
Serotonin verengt unter anderen Gefäße, könnte somit in der Migränebehandlung von Nutzen sein. Serotonin aber reagiert mit 3 (5 HT1, 5 HT2, 5 HT3) verschiedenen Rezeptoren der Zellwand, für die Gefäßverengung ist aber nur der Rezeptor 5 HT1 verantwortlich. Die Mehrfachbindung macht es als Medikament wegen gefährlicher Nebenwirkungen ungeeignet. Kann man die chemische Struktur des Serotonins nun so ändern, daß es nur mit dem gefäßverengenden Rezeptor reagiert, hätte man ein wirksames nebenwirkungsarmes Medikament zur Hand. Eine neue Substanzgruppe die Triptane erfüllen diese Voraussetzungen.Sumatriptan war das erste.Die Triptane der 2. Generation wie z.B. Zolmitriptran sind effektiver und nebenwirkungsfreier.
Unzählige Migränemittel sind auf dem Markt, einige sind frei erhältlich andere nur über Rezept. Prinzipiell unterscheidet man Medikamente zur Behandlung der akuten Attacke und solche zur Vermeidung, d. h. Prophylaxe von Migräneanfällen. Anwendung im akuten Stadium finden fast alle spezifischen und unspezifischen Schmerzmittel, von Aspirin über Cortison bis zu typischen Migräne Präperate, die direkt am Serotonin Rezeptor wirken, daneben auch solche zur Vermeidung von Übelkeit.(Antiemetika) Zur Migräneprophylaxe d.h. bei einer Attackenhäfigkeit von 2 mal pro Woche werden Substanzen wie Beta Blocker, Kalzium Hemmer und antidepressive Medikamente verordnet.
Neben spezifischer medikamentöser Therapie sind allgemeinmedizinische Maßnahmen wichtig; z. B. Vermeidung von Streß, Einschränkung von Rauchen und Alkoholgenuß, bei jüngeren Frauen Einnahme einer östrogenarmen Pille. Autogenes Training, Yoga, Kreislauftraining und Akupunktur mindern die Anfallshäufigkeit.
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