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Was heißt Epilepsie ?
Epilepsie ist der Überbegriff für eine Gruppe von ungefähr 40 neurologischen Störungen die den epileptischen Anfall als gemeinsames Symptom haben. Knapp 1 Million Menschen sind in Deutschland betroffen. Kopfverletzungen ,Hirntumore, zentralnervöse Infektionen , Fieber und Strukturverletzungen des Gehirngewebes, welcher Ursache auch immer führen zu Anfällen.
Das Gehirn besteht aus Nervenzellen ( Neurone) und Stützzellen ( Glia ) die mittles elektrischer Impulse und chemischen Botenstoffe mit- und unter einander kommunizieren. Sie kontrollieren unsere körperlichen Bewegungen, unsere Emotionen, unsere Aufmerk-samkeit ,unser Gedächtnis ,unser Sehen und Denkvermögen in exakt vorbestimmten Ablauf. Neurone können erregen und hemmen. Überwiegen erregende Neurone und übertragen den elektrischen Impuls auf Neurone an anderen Orten ,so kommt es zu einer globalen elektrischen millionenfachen Entladung neuronaler Elemente mit einem Anfall als Folge. Anfälle können generalisiert oder partial sein. Im ersten Fall kann es entweder zu einer Absence oder mehr dramatisch zu einem großen tonisch clonischen Anfall mit Sturz ,Schaum vor dem Mund und zuckenden Bewegungen kommen. Im zweiten Fall sind nur Teile des Körpers betroffen ( partial ) und das Bewußtsein ist noch intakt.
Die Häufigkeit ist 1/100. Menschen jeden Alters ,Rasse und Geschlecht sind betroffen. Kinder ungleich häufiger als Erwachsene. Epilepsie ist keine Erberkrankung ,kommt aber gehäuft in Familien vor. Seitenanfang
Symtome der partialen und generalisierten Epilepsie unterscheiden sich merklich. Wenn auch für jeden das Erscheinungsbild eines großen Anfalles dramatisch und furchterregend ist ,so sind die eines partialen Anfalles weniger als epileptisches Geschehen zu erkennen . Häufig sind Realitätsverkennungen im Sehen ,Riechen und Hören ( Halluzinationen ) nicht erklärliche attackenartige Angst ,Zuckungen von Körperteilen oder Eintrübung des Bewußt-seines alleinige Symptome . Haufig ist die Aura ,die Warnung für den Patienten ,daß ein Anfall kommt. Die Diagnose eines großen Anfalles ist leicht ,da auch für den Laien sichtbar Ungleich schwerer die Diagnose des Partialanfalles. Es kann Jahre dauern bis der Betroffene einen Arzt mit Erfahrung in Epilepsie aufsucht. Es sind in der Regel aufmerksame Angehörige oder Arbeitskollegen, die Zeuge des Geschehens waren und den Hausarzt informieren, der die Überweisung zu einem in der Epilepsie erfahren Neurologen veranlaßt.
Wer stellt die Diagnose ? Seitenanfang
Ein Neurologe erfahren in der Diagnose und Behandlung von Anfallskrankheiten, kann das epileptische Geschehen an Hand der Anamnese ,besonders von denen ( Fremdanamnese) ,die den Anfall gesehen hat, aufklären. Hilfreich ist die Geburtsanamnese, frühkindliche Entwicklung , das Erfragen von hohem Fieber , Meningitis oder Hirnverletzungen . Ein abnormales Hirnstrombild ist hilfreich, aber im anfallsfreien Intervall nicht immer vorhanden. Eine Kernspinuntersuchung kann den eventuellen Tumor entdecken oder die Narbe im Gehirn als alte Hirnverletzungsfolge sichtbar machen .
Was verursacht Epilepsie?
Es gibt keinen alleinigen faßbaren Grund einer Epilepsie in fast 70 % der Fälle bleibt die Ursache unbekannt. Häufige Ursachen sind wie folgt.
-Hirnverletzung vor,während oder nach der Geburt-
-Entzündungen des Gehirngewebes-
-toxische Stoffwechselstörungen des Gehirns-
-Schädeltrauma mit Hirnverletzung-
-Hirntumoren und Schlaganfälle-
-Degenerative vererbte Hirnerkrankungen-
Behandlung und erste Hilfe Seitenanfang
Die Mehrzahl der Anfälle dauert nicht länger als eine Minute und bedürfen kein Eingreifen durch dritte. Die klonische Phase ,das Zucken von ganzen Muskelgruppen, bedeutet das Ende des Anfalles. Wichtig für die Umstehenden ist die Langerung des Patienten ,damit er sich nicht verletzt und normal atmen kann. Eine Serie von Anfällen ( status epileptikus ) zwischen denen der Patient das Bewußtsein nicht wieder erlangt, ist ein medizinscher Notfall mit akuter Lebensgefahr und schwerwiegende bleibenden Hirnschäden .Das oberste Behandlungsziel ist die anfallsbedingte Verletzungsvermeidung.
-Ruhe Bewahren, Kopfseitenlagerung-
-Lösen von beengenden Kleidungsstücken-
-Kein zwangsweises Mundöffnen-
-Kein Mundkeil-
-Notruf 112-
Die medikamentöse Behandlung erfolgt dann, wenn die Diagnose eines spezifischen Anfallstyps klinisch und durch das Hirnstrombild gesichert ist und die Gefahr eines erneuten Anfalles weit schwerwiegender als die Nebenwirkungen des Medikamentes sind. Die zu Verfügung stehenden Medikamente werden zu Teil allein ( Monotherapie ) oder in Kombination mit anderen verabreicht und müssen im Blut eine bestimmten Spiegel erreichen, den therapeutischen Blutspiegel. An Hand dessen läßt sich die Therapie genau kontrollieren und auch nachweisen, ob die Medikamente nach Plan genommen werden ( Compliance). 80 % aller Anfallspatienten gibt die medikamentöse Therapie fast völlige Anfallsfreiheit .Sie leben ihr Leben wie alle anderen Mitbürger ,trauen sich aber nicht zuzugeben ,daß sie unter Anfällen leiden ,weil der Anfallspatient in unserer Gesellschaft mit einer üblen Krankheit nach wie vor stigmatisiert ist. Leider hat sich in dieser Weise das Denken der Mitbürger wenig von denen des Mittelalters geändert. Patientenselbsthilfe-gruppen und die Stiftung Michael versuchen diese Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen.
20 % der Patienten sind mit Medikamenten schwer einstellbar und haben immer wieder Anfälle. Hier hat die Epilepsiechirugie geholfen. Es gibt Methoden, die Narbe im Gehirn, welche die Anfälle verursacht, genau zu lokalisieren und neurochirugisch zu entfernen. In Deutschland gibt es einige solche sogenannte Epilepsiezentren.
Dreh und Angelpunkt einer modernen wissentschaftlich gesicherten Anfallsbehandlung ist die offene Diskussion mit dem Betroffenen und Angehörigen .Die Weitergabe von Information an dritte ist ungeheuer wichtig: Lehrer bei Schulkinder, der Betriebsarzt bei Werktätigen ,damit bei eventuellem Auftreten eines Anfalles ,die Lehrer oder Arbeitskollegen adequat reagieren können.Epilepsie war im Mittelalter die "hidden disease " die versteckte Krankheit. Im ausgehenden 20. Jahrhundert sollten wir diesen, uns alle betreffenden medizinischen Problemen offener gegenüber treten.
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Epilepsie-Homepage ist www.izepilepsie.de (u.a. Anfallsformen, Behandlung, Medikamente). Krankheitsbild, Ursachen, Prognose und Therapie epileptischer Anfälle werden in www.medizinfo.de/kopfundseele/epilepsie/epilepsie.htm beschrieben. Ebenfalls empfehlenswert: www.epilepsie-online.de (u.a. "Epilepsie und Führerschein").
Epilepsy Research (englisch)
Washington University Comprehensive Epilepsy Program (englisch)
Epilepsy and Brain Mapping Program (in englisch)
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